Unterrodach. Auf eine musikalische Zeitreise der Extraklasse wurde am Vorabend des Dreikönigstages das Publikum des traditionellen Dreikönigskonzerts des Musikvereins 1853 Zeyern mitgenommen.

Unter dem Motto „Zeichen der Zeit“ erklangen in der aufwendig dekorierten Rodachtalhalle unter der Leitung von Dirigentin Kathrin Motschenbacher Melodien und Klänge aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.


Nach der Begrüßung durch Spielleiter Tobias Partheymüller,der sich besonders über den äußerst zahlreichen Besuch von Musikkolleginnen und -kollegen aus Nah und Fern freuen konnte, nutzte der Hausherr Bürgermeister Norbert Gräbner, der mit einer stattlichen Anzahl an Gemeinderäten erschienen war, sein Grußwort um den Gästen, darunter Domkapitular Thomas Teuchgräber, Kaplan Dominik Urban, Kreisvorsitzender des Kresiverbandes Kronach im Nordbayerischen Musikbund Wolfgang Müller, stellv. Bezirksvoritzenden Thomas Kolb, die ehemaligen Dirigenten Florian Unkauf und Ludwig Seibold und der Ehrenvorstand Manfred Springer ein gesundes und frohes neues Jahr zu wünschen. Selbiges ließ sich auch Georg Wunder nicht nehmen, der wieder charmant und informativ durch das Programm führte.

 

 


Den musikalischen Auftakt bildete das zeitgenössische Eröffnungsstück „Concert Prelude“ von Philip Sparke, einem englischen Komponisten, der besonderen Gefallen an unkonventionellen Harmonien und anspruchsvollen Rhythmus- und Taktwechseln findet. Das Erstlingswerk des renommierten Musikschöpfers beginnt mit einer majestätischen Fanfare, bevor es in einem wechselhaften, rhythmischen Mittelteil alle Teile des Orchesters gleichermaßen fordert, ehe im fulminanten Finale alle Rhythmen und Themen ineinanderfließen.


Mit „Zeichen der Zeit“ folgte eines der Hauptwerke des Konzertabends. Das Konzertstück stammt aus der Feder des Tiroler Komponisten Armin Kofler, der anlässlich des 240-jährigen Jubiläums der Musikkapelle Fulpmes in Tirol im Jahr 2015 deren Geschichte in Noten setzte. Von den Anfängen in der Kirchenmusik, einer Parallele zum Musikverein Zeyern, über die Tiroler Freiheitskämpfe zum Leid der Weltkriege und der Zuversicht des späteren wirtschaftlichen Aufschwungs schafft es Kofler, verschiedenste Abschnitte der Vereinsgeschichte im elfminütigen Werk höchst abwechslungsreich und begeisternd zusammenzuführen.
Die amerikanische Sängerin Cyndi Lauper feierte im Jahr 1983 mit „Time After Time“ einen ihrer größten Hits, der ihr sogar eine Grammy-Nominierung einbrachte. Die gefühlvolle Ballade wurde von Mike Costello liebevoll für Blasorchester arrangiert und von Posaunistin Kristina Schnappauf gesungen.


Etwa ein Jahrhundert vor Cindy Lauper fertigte Johann Strauß II. im kaiserlich-königlichen Wien eines seiner großen Meisterwerke: den Kaiserwalzer. Strauß fertigte den Walzer anlässlich eines Besuches seines Dienstherren Franz Joseph beim deutschen Kaiser Wilhelm, so dass die Komposition genau genommen auch Zwei-Kaiser-Walzer heißen könnte. Ganz untypisch beginnt der Walzer im langsamen Marschrhythmus, was seinerzeit einige Kritiker auf den Plan rief, Strauß Anbiederung an Preußen vorzuwerfen, bevor einige der beliebtesten Melodien des Walzerkönigs erklingen. Der Kniff, einen großen Konzertwalzer im Marschrhythmus zu beginnen, gilt heute als einer der genialsten Einfälle des Romantikers. Der deutsche Komponist und Arrangeur Hans Hartwig hat die anspruchsvolle Komposition detailgetreu für Blasorchester arrangiert und die Darbietung der Kapelle fand nicht nur unter den ausgemachten Freunden Wiener Klänge großen Anklang, so dass das Publikum beschwingt im Walzertakt in die Pause ging. Das inspirierte Küchenteam sorgte mit seinen thematisch abgestimmten Snacks für einen heimlichen Höhepunkt des Abends.
„Große Zeit, neue Zeit“ hieß es zum Einstieg in den zweiten Konzertteil. Der Präsentiermarsch von Fritz Brase stammt aus dem Jahre 1912 und wurde , obwohl er nur zweiter Sieger eines Berliner Kompositionswettbewerbs wurde, in die deutsche Armeemarschsammlung der Bundeswehr aufgenommen. Brase wanderte 1921 nach Militärmusikkarriere und Tätigkeit bei den Berliner Philharmonikern nach Irland aus, wo er als Leiter der Militärmusikschule in Dublin sein preußisches Know-how ausspielen konnte.


Den größtmöglichen Kontrast zu diesem klassischen Militärmarsch bildete die experimentelle Komposition „The Machine Awakes“ von Steven Bryant, einem US-amerikanischen Komponisten und Dirigenten. Darin legt das Blasorchester den Klangteppich aus, auf dem besonders das Schlagwerk virtuos aufspielen darf, während elektronische Beats, die vom Komponisten für die Aufführung zur Verfügung gestellt werden, unnachgiebig den Takt vorgeben, was in Zeiten von Pflegerobotern, künstlicher Intelligenz und Social Bots durchaus als intelligente musikalische Metapher gesehen werden kann.
Konventioneller ging es zu, als Martin Hannig das Lied „Nessaja“ aus dem 80er-Jahre-Musical „Tabaluga“ intonierte. Der Text von Rolf Zuckowski zur Musik von Peter Maffay, die von Kurt Gäble für Blasmusik arrangiert wurde, thematisiert den Wunsch einer uralten Schildkröte, sich ein Stück Kindlichkeit zu bewahren.


Kindheits- und Jugenderinnerungen zu vertonen gelang auch Manfred Schneider hervorragend in seinem Medley „TV-Kultabend“, in dem er die Titelmelodien der beliebtesten Serien- und Showerfolge des öffentlich-rechtlichen Fernsehens der Bundesrepublik Revue passieren lässt. Von der „Lindenstraße“ geht es in die Flirt-Sendung „Herzblatt“, nach der „Schwarzwaldklinik“ leitet die Eurovisions-Melodie „Wetten, dass…?“ ein, und mit Gottschalk-typischer Verspätung erklingt die unverkennbare Jazz-Einleitung zum „Aktuellen Sportstudio“, bevor „Derrick“ und zum Abschluss die Melodie der „Tagesschau“ erklingen.
Den offiziellen Schlusspunkt bildete ein Musikstück, das nur knapp zwanzig Jahre jünger ist, als der Musikverein 1853 Zeyern: der Inbegriff des preußischen Militärmarschs und sozusagen die „Erkennungsmelodie“ Deutschlands auf der ganzen Welt: Preußens Gloria. Johann Gottfried Piefke schuf den Marsch im Jahre 1871 zur Feier des Siegs über Frankreich, und obwohl zwei Weltkriege das Ansehen Deutschlands in der internationalen Gemeinschaft schwer beschädigten, verlor die Musik nie ihre Beliebtheit und ist auch heute noch ein fester Bestandteil des Repertoires von Militärmusiken weltweit.
Spielleiter Tobias Partheymüller nutzte die Gelegenheit, sich im Namen des Vereins und der Kapelle im Besonderen für die Arbeit, Mühe und Begeisterung von Dirigentin Kathrin Motschenbacher zu bedanken. Besonders angesichts der Tatsache, dass die Geburt ihres Sohnes nur drei Wochen vor dem Konzert für das Orchester praktisch ohne Folgen blieb, da sie in den gerade einmal zwei Proben, die sie dadurch nicht leiten konnte, von ihrem hervorragend vorbereiteten Mann vertreten wurde, gebührt ihr große Anerkennung.


Für die erste Zugabe verstärkte sich die Kapelle mit einem Dutzend Freunden und Familienmitgliedern, die sich wochenlang mit dem recht ungewöhnlichen Instrument „Becher“ beschäftigt hatten, um gemeinsam mit den Musikerinnen und Musikern den „Cup Song“, der besonders durch den Film „Pitch Perfect“ bekannt wurde, auf und vor die Bühne zu bringen. Dabei dient der Becher, der auf verschiedenste Arten gedreht, geschlagen, geschabt und getauscht wird, als Rhythmusinstrument. Durch die Vielzahl an Spielern entsteht so ein kräftiger Unterbau, auf den sich die Harmonien der Kapelle legen können. Kristina Schnappauf und Martin Hannig ergänzten die Darbietung durch zweistimmigen Gesang und die gemeinschaftliche Leistung wurde vom Publikum begeistert empfangen.


In ihrem Schlusswort dankte die Dirigentin Kathrin Motschenbacher, ihrem Ehemann für die Unterstützung und den Musikerinnen und Musikern für die erfolgreiche und freudvolle Zusammenarbeit im abgelaufenen Jahr. Mit der letzten Zugabe „A Quiet Moment“ schloss sich der Kreis, da auch dieses Stück der Feder Philip Sparkes entstammt. Die ruhige, würdevolle Komposition gab dem Orchester am Ende des Konzertprogramms nochmals Gelegenheit, große Dynamikunterschiede in sauberer Intonation zu demonstrieren und setzte einen stimmungsvollen Schlusspunkt unter ein Konzert, das auf beeindruckende Weise die Vielseitigkeit moderner Blasmusik zu demonstrieren verstand.
Das Dreikönigskonzert 2018 findet am 5. Januar um 20:00 Uhr in der Rodachtalhalle Unterrodach statt.